Der Weg zum Traumjob Wissenschaft

Zehn Jahre Templiner Manifest

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

24 Seiten, DIN A4, in deutscher Sprache

„Gute Wissenschaft braucht gute Arbeitsbedingungen. Dafür werde ich mich weiter einsetzen. Der ‚Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken‘ und die Exzellenzstrategie geben den Hochschulen langfristig Planungssicherheit. Ich erwarte, dass sie diese nutzen und mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse schaffen“, so die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek. Anlass für ihre Aussage ist das aktuelle DUZ Special „Der Weg zum Traumjob Wissenschaft – Zehn Jahre Templiner Manifest“, herausgegeben von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Der Appell der Ministerin kommt nicht von ungefähr: Nach wie vor mangelt es an deutschen Hochschulen an Strategien und Instrumenten, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten und ihnen eine langfristige Perspektive zu bieten. So startete die GEW bereits 2010 mit dem Templiner Manifest eine Kampagne für den „Traumjob Wissenschaft“ und sagte den prekären Beschäftigungsverhältnissen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Hochschulen und Forschungseinrichtungen den Kampf an.

Doch auch ein Jahrzehnt danach arbeitet immer noch mehr als 80 Prozent des nichtprofessoralen wissenschaftlichen Personals mit befristeten Verträgen, deren Laufzeit höchsten 29 Monate vorsieht. Dass das zu unguten Arbeitsatmosphären führt und keineswegs den notwendigen Teamgeist befördert – davor warnt Helmut Duwe von der Arbeitsgemeinschaft der Betriebs- und Personalräte der außeruniversitären Forschung: „Die beibehaltene Befristungspraxis in der Forschung birgt die Gefahr, vor allem eine Ellenbogenmentalität im beruflichen Konkurrenzkampf zu fördern.“

Insgesamt ein „unsäglicher Zustand“ für die Betroffenen, der nicht nur zu „innovationsschädlichen Abhängigkeiten“, sondern auch zu Abwanderungen hochqualifizierter Wissenschaftler ins Ausland führe, wie auch Dr. Thomas Sattelberger kritisiert, internationaler Human Ressource-Experte und Sprecher für Innovation, Bildung und Forschung der FDP-Fraktion.

Alles gewichtige Gründe, warum die GEW eine Dekade nach dem Templiner Manifest den Kampf gegen die prekären Arbeitsverhältnisse fortsetzen will. „Anders als die Hochschulsysteme Großbritanniens, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und vieler anderer Länder gibt es im deutschen System kaum Perspektiven, neben der Professur dauerhaft Wissenschaft als Beruf zu betreiben. Wer eine akademische Laufbahn einschlägt, muss alles auf eine Karte setzen – hopp oder topp, W3 oder Hartz 4,“ erklärt Dr. Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der GEW, warum das Engagement seiner Bildungsgewerkschaft so wichtig ist für die Wissenschaftler und den Wissenschaftsstandort Deutschland.

Dass sich Karrierewege und Beschäftigungsbedingungen an Hochschulen nur langsam verbessern würden, liege daran, dass die Maßnahmen und Verpflichtungen in Politik und Wissenschaft viel zu zaghaft seinen – meint Nicole Gohlke von der Bundestagsfraktion Die Linke und fordert, die verkrusteten Strukturen an den Hochschulen aufzubrechen.